Mein natürlicher Feind: der Geburtstag Anderer
// September 10th, 2007 // No Comments » // Der Buchstaben viele, Leben
Ich leide an sogenannter Geburtstagsdyslexie (Jaja, ich weiß. Das humpelt wie der Glöckner vom Notre Dame am Ende einer durchzechten Nacht. Mir wollte aber nichts Besseres einfallen).
Ich kann mir -ärztlich attestiert (tjaja, Gesundheitsreform!)- exakt dreieinhalb (3 und 1/2) Geburtstage merken. Und das war’s. Mehr ist nicht drin. Namentlich wären das die Geburtstage von meiner Schwester, meinem Stiefvater, meiner Mutter und meiner Tante. Und letztere nur deswegen, weil sie und meine Mutter eineiige Zwillinge sind (deswegen auch einhalb, es gibt da genaue Richtlinien für die Zählung, deutsche Richtlinien).
Ich kann aus dem Stand 20 Bücher von Philip Roth aufzählen, 10 sehenswerte HBO-Serien samt Inhaltsangabe und Begründung warum sie gut sind runterrasseln. Ich kann aus dem Stehgreif jeweils ein gutes Dutzend Alben aufzählen, welche im Electronic, HipHop oder Rockbereich wegweisend waren. Je nach Wunsch zähle ich wie ein realitätgewordener imdb-Automat die jeweils 3 wichtigsten Filme auf mit Brando, DeNiro, Pacino, oder von Scorsese, Coppola, Malick (Malick, da schaff ich auch 5, hehe) auf. Und so weiter quer durch die und abseits von den Kunstkanons dieser Welt.
Aber nach dreieinhalb Geburtstagen ist Schluss. Einfach so.
Nun, Marcel, Du alter Halunke, wir leben im 21. Jahrhundert, nutze die Möglichkeiten, raunt es leicht ikeaisiert von den Tastaturen der geneigten Leser. Stimmt, Ihr holden Geschöpfe! Nur hat Technik einen entscheidenden Nachteil: Wenn man nicht aufpasst und vorsorgt, wird man zuverlässig mindestens jedes Schaltjahr im Stich gelassen. Und zwar auf breiter Front.
Um meine Defizite wissend hatte ich nämlich diverse Bollwerke gegen die Geburtstagsflut in Stellung gebracht. Meine Truppen standen und hielten lange Zeit stand. Bis letztes Jahr die Reihen durchbrochen wurden.
Mein Rechner gab im Herbst den Geist und damit die Emailkorrespondenz vom zurückliegenden halben Jahr und die auf dem Rechner gespeicherten Geburtstagdaten auf. Die olle Pottsau.
Ein paar Monate davor, im Sommer letzten Jahres, hatte ich ein neues Mobiltelefon vertragszugewiesen bekommen. Eins, welches mit diesen neumodischen Inkompatible-Features kommt. Inkompatiblebirthdayübertragertwodotoh. Und wer überträgt das schon immer wieder von hand, also bitte.
Technikpessimist, der man als Blogger von haus ja ist, hatte ich natürlich auch noch einen Zettel in der Hinterhand, auf dem alle denkbaren und undenkbaren (as in ‘you haven’t seen that girl since 2001′) Geburtstagsdaten vermerkt waren. Gerettet! jauchzt es von den Laptops dieser Welt.
Leider nicht. Denn wer mich persönlich kennt (as in ‘I’ve seen the mess he calls his flat’), weiß was jetzt kommt.
ICH KANN DIESEN VERFLUCHTEN ZETTEL NICHT FINDEN! Herrgottsakramentnochmal!
Ich habe keine Ahnung, wo dieses verfluchte kleine Miststück von einem Zettel sich vor mir verkrochen hat. Und das kommt ausgesprochen unpraktisch. Denn obwohl ich mich bis jetzt ohne größere (mir bekannte) Kollateralschäden zwischen den Geburtstagsminen hindurchgeschlängelt hatte wie eine Natter auf der Balz, ist jetzt Schluss. Boom. Denn dieser Tage hat meine Exfreundin Geburtstag. Irgendwann dieser Tage.
Schätze, ich brauche nicht mehr darauf zu hoffen, dass die mal wieder solo und in der Stadt ist.



