rundumschlag
// November 29th, 2007 // 1 Comment » // Politail
Hier legt der Staat (oder in diesem Falle: hier legen die Bundesländer) eine Attitüde an den Tag, die mich in meiner acton’sch-juvenal’schen Weltsicht bestätigt. Entscheidungen werden, unabhängig von der Verfassungmäßigkeit, getroffen. Handlung ist die erste Maxime, die Leute in Karlsruhe werden früher oder später schon entscheiden was gesetzeskonform ist und was nicht. Und natürlich schafft man so auch Realitäten, mit der normativen Kraft des Faktischen. Denn irgendwann kommt auch Karlsruhe mit dem nachträglichen fixen nicht mehr hinterher. Irgendwann fallen die kleinen “Freiheitsverkürzungen” durchs Raster, einfach weil man zu sehr damit beschäftigt ist, die großen “Freiheitsverkürzungen” zu verhindern. (Irgendwie klingt mir das alles nach Hund an der Kette, dem man – bei Bedarf – die Auslaufsfreiheit verkürzt. Und, aus welchem Recht heraus darf der Staat mir als normalem Bürger überhaupt die Freiheit verkürzen? Ein Spitzenkandidat für das Unwort des Jahres.)[..]
Noch während darüber gestritten wird, ob Bundesbehörden das Recht haben diese Daten zu erheben und darauf zuzugreifen, wird hier schon von den Lobbykraten im Bundesrat geplant, diese Daten an die Content-Industrie herauszugeben. Das ist vielleicht weniger kritischer als sofort den ganzen Rechner an die Content-Industrie auszuhändigen, aber es ist immer noch kritisch genug.
Wir erinnern uns, das sind jene netten Leute, die bisher ihren kühlen Kopf dadurch bewiesen haben, dass sie auch mal heimlich Rootkits auf den Rechnern ihrer Kunden installieren, die planen Viren auf P2P-Netzwerke zu verteilen, die sich einen anwaltlichen Kettenhund halten, der auch mal wegen des Verkaufs alter c’t-CDs oder der bloßen Erwähnung eines russischen MP3-Portals abmahnt, in Kinospots indirekt Raubkopierern mit Analvergewaltigung drohen, oder – wie im neuesten Fall in Frankreich – forderen, dass ISPs ihre Nutzer überwachen und Raubkopierern den Zugang zum Internet verwähren sollen. Klar, dass die Jungs, die schon bewiesen haben, dass sie es verstehen in Sachen Rechtsmittel nicht über die Stränge zu schlagen und dass sie die Privatsphäre meines Rechners achten gerne alle Verbindungsdaten einsehen dürfen, wenn sie glauben dass das nötig ist und somit bald mehr Einblick in unser Surfverhalten haben könnte, als noch vor drei Wochen die meisten deutschen Behörden.
Die Politik erwartet, dass ich ihr blind vertraue, wenn sie erst monatelang beschwört, dass die Daten aus der VDS nur in Ausnahmesituationen und nur schlimmen Fällen von Experten genutzt werden… und keine zwei Wochen nachdem der Bundestag den Stuss durchgewunken hat, beginnt sie den Kritikern die Zunge rauszustrecken und zu sagen “Verarscht!”, während sie einer Lobbyindustrie Zusatzrechte zuschanzt.
Zwei Wochen! Zwei verdammte Wochen!
das und sehr viel mehr auf dem müden agitpopblog





