// Februar 6th, 2007 // No Comments » // Denken, Der Buchstaben viele, Leben
Man könnte die letzten Tage hier einen falschen Eindruck bekommen haben. Den Eindruck, ich wäre leicht zu begeistern, als wäre ich auf Extasy hängengeblieben (hätte ich es je genommen) und hätte ich mir in einem Anfall von Liebe für die ganze Welt den Spruch ‘euphorisch by default’ auf die Stirn tätowieren lassen. Und wäre anschließend für den Rest meines Lebens wie ein kleines Mädchen im Garten umhergehüpft, dass gerade erfahren hat, dass es in Zukunft auf einem Ponyhof aufwächst. Und da nie ausmisten muss. Nur Ponys reiten, und vielleicht mal bürsten. Und Jon Bon Jovi ist der persönliche Reitlehrer.
Wo war ich? Ach ja, euphorisch. Das bin ich eher selten. Ich würde sogar so weit gehen, dass es wesentlich seltener ist als bei den meisten Leuten. Ich ziehe mein Grenze früher, bin schneller angewidert und finde schneller Dinge Scheiße. Ich habe, zumindest kommt es mir oft so vor, höhere Ansprüche an das, was mir im Leben etwas bedeutet als ich es oft bei Anderen sehe. Gehe es dabei um Frauen (“Du musst Deine Erwartungen runterschrauben!” yeah, my ass), Musik (“Es muss krachen!” Nee, man muss fühlen) oder was auch immer.
Sturgeons Gesetz lautet: “Ninety percent of everything is crud” (“Neunzig Prozent von allem ist Mist.”).
Ob es stimmt, sei dahingestellt. Das ist sowieso betrachterabhängig, geschmacksunneutral und blah. Aber ich persönlich finde, dass es dem, was ich beobachte recht nah kommt. Und ich habe den Eindruck, dass von den übrigen wirklich guten zehn Prozent wieder nur zehn Prozent, well, phänomenal sind. Das bedeutet dann vom Ganzen sind das genau ein Prozent. 1%. (I think he makes those numbers up as he goes along.)
Ich könnte hier über Dinge schreiben, die mich unsagbar aufregen, manchmal mach ich das. Oft aber einfach nicht. Weil es nichts bringt. Weil, um mal keine Floskel auszulassen, das Leben zu kurz ist um sich über dies und jenes aufzuregen und es am Ende hier noch niederzuschreiben. Und dann vielleicht noch Andere mit seinem Hass oder wenigstens seiner Verachtung gegenüber dem Schund, der uns allen täglich entgegenschwappt, zu belästigen. Nein, Sir, that ain’t my way.
Ich mag lieber die Energie, die mir zur Verfügung steht, für etwas aufwenden, von dem ich finde, dass es das wert ist, als gegen etwas, von dem ich finde, dass es verschwinden sollte. Ich meine damit natürlich nicht maulkorbartiges Grinsen, Abnicken und Wegschauen. Ich meine Prioritäten.
Yeah, ein Prozent Phänomenales, Unerreichtes, Grandioses (Bitte mit eigenem Thesaurus fortführen).
Das ist nicht viel. Deshalb springe ich vor Freude im Dreieck, wenn ich ein Buch lese wie “Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins”, einen Film sehe wie “Der schmale Grat”, oder eine Serie schaue wie “Six Feet Under” .
Deshalb suche ich und versage manchmal und bin begeistert manchmal und ab und zu dann packt es mich. Und wenn es mich packt dann richtig. Es sind diese Momente, die so groß sind, dass sie nur von einer Sache überflügelt werden können: Liebe. And all together it’s called life.
Man hat mir früher nicht selten nachgesagt, ich sei ein Misanthrop und Miesepeter, oft meinte man vielleicht eher Nihilist. Und dann wieder, je nach meiner eigenen Laune, war ich der Klassenclown. Whoops, mit jedem der Extreme kann ich auch heute noch etwas anfangen. Aber ich lehne mich mehr dem Positiven entgegen, und versuche wenn schon, dann eher zu verachten denn zu hassen. Und in der Zwischenzeit versuche ich hier, etwas von den ein Prozent und oft von den ganzen zehn Prozent zu teilen, zu verbreiten. Weil ich es will.
Und deshalb möchte ich jetzt abschließend, obwohl ich das hier und jetzt gar nicht vorhatte, hier Jedem radicalfashion und ihr Debütalbum auf Hefty ans Herz legen. Gestern entdeckt und für großartig befunden. (Auf der Heftyseite kann man den wunderschönen Song Shousetsu anhören (fängt automatisch an zu spielen als erster Song im Player)).
mar’lets all try watching a sunset once in a while’cel
fade to white