Archive for Dezember, 2006

Chemnitz feiert

// Dezember 22nd, 2006 // 1 Comment » // Der Buchstaben viele, It's Chemitz, innit, Leben

Erst vor ein paar Monaten stand ich auf den Straßen von New York und blickte um mich, wie ich vor Jahren um mich geblickt hatte. Wieder betrachtete ich die Bauten, studierte jedes kleinste Detail, das nur ein entfremdetes Auge wahrnimmt. Aber diesmal war es, als sei ich vom Mars heruntergestiegen: Was für eine Menschenrasse ist das? fragte ich mich. Was soll das alles bedeuten?

Henry Miller, ‘Wendekreis des Krebses’

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Ein Typ, solariumgebräunt bis zum Gelbstich, lehnt sich zu seiner Nachbarin und sagt zu ihr “Und wo wir gerade von Mäulern reden..” und deutet mit seinem Kopf auf mich, sein Amöbengehirn ist fest der Annahme, ich merke es nicht, oder es ist ihm egal. “Weißt du was ich mein, weißt du was ich mein” sagt er nochmal zu ihr und lacht. Und seine Nachbarin, deren Lidschatten von hier bis Timbuktu reicht, sagt “Ja” und sie und ihre Freundin lachen. Ich stehe vor dem Eingang zum Starlight, einer örtlichen Diskothek in altbekanntem Stil. Marke Standard. Ich warte auf die Leute, mit denen ich hier hergehen will und der Troß Einzeller neben mir irrt sich erfolgreich in der Annahme, ich hätte mich versehentlich hinter ihnen in eine imaginäre Warteschlange gestellt. Ich starre auf mein Handy und wünsche mir, ich wäre Patrick Bateman, nur für diese eine Nacht.
Und so beginnt der Abend.

Ich habe einen Großteil der besten Zeit meiner Jugend in Diskotheken verbracht. Gott, was hatten wir Spaß. In einer Dorfdiskothek. Mit Platz für 200 Gäste. Circa. Vielleicht auch weniger. Nicht selten kannte ich ein Fünftel und mehr von den Gästen persönlich. So war das damals. Was damals rundenweise ablief, läuft heute auf verschiedenen Floors. Und damit meine ich nicht nur die Musikrichtungen sondern auch haargenau die gleichen Lieder. Über die Jahre sind meine Besuche solcher Lokalitäten auf Null gesunken. Ich kann nicht gerade sagen, dass ich darüber traurig bin. Ich kann aber auch nicht sagen, ob es damals schon so war wie es heute ist oder ob es sich erst über die Jahre zu dieser Perversion gesteigert hat, die man heute an diesen Orten vorfindet.
Es geht schließlich um einen Ort, an den man ich nur noch gehe, wenn ich gute, sehr gute, Gründe habe, deshalb dürfte dieser kleine Abstecher an diesen Hort des Grauens der erste und gleichzeitig letzte sein.

Man läuft durch die Gänge und es schwappt einem die Gleichschaltung förmlich entgegen. Alles erscheint einem glattgebürstet. Jeder versucht sich so zu geben, wie er/sie meint, sich am besten einzufügen und gut dazustehen. Die Schminke, meterdick, passt perfekt ins Bild. Jeder trägt seine Maske vor sich her. Natürlich ist das auch andernorts der Fall. Mal mehr mal weniger überschneiden sich da die Masken mit dem eigentlichen Wesen der Träger. Hier kennt man aber gar nichts anderes als die Gleichförmigkeit, es gibt keine Nuancen,Abstufungen oder gar sich außerhalb der Norm bewegende Ausnahmen. Anpassung ist das Alpha und das Omega. Es ist alles was existiert. Die Einordnung, der man sich, meist wohl ohne es zu wissen, unterordnet, lässt nur eine Handvoll akzeptierter Variationen zu, allesamt natürlich per se vorhersehbar.
Es ist die Absenz von Charakter.
Betritt man diese Hallen, eröffnet sich vor einem eine geölte Maschine des Mittelmaßes. An keinem anderen Ort ist man mehr allein als in so einer Diskothek. Natürlich ist es lustig, wenn Homophobie e.V. geschlossen zu den Pet Shop Boys tanzt, keine Frage. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denke ich bitter vor mich hin während ich an meinem Beamcola nippe.

Ich muss sehr nachdenklich und unbelustigt ausgesehen haben. Denn diese Kleine mit der ich unter anderem hier bin, versucht mich aufzumuntern, mit Hintergedanken. Sie erzählt, dass sich hier nichts ändert, die Musik bleibt so (soll mich das erbauen?), und ich solle das nutzen, was da ist. 15 Minuten vorher hat sie mich noch angetanzt. Ich werde das Gefühl nicht los, sie meint sich mit dem, was da ist und ich mir nehmen soll. Ich weiß nicht so recht, wie ich das finden soll. Auf jeden Fall will ich sie nicht. Irgendwann scheint sie das zu merken und wendet sich anderen Dingen zu. Inzwischen informiert der DJ die Anwesenden per Mikrofon über die aktuelle Lage: “Chemnitz feiert!”. Und ich frage mich, was für eine Art von Feiern das ist, wenn man den Leuten noch sagen muss, was sie gerade tun.

Es ist -kurz und knapp- ein sehr fürchterliches, anstrengendes und, zumindest für Nichtpsychologen, auch ein recht uninterressantes Schauspiel, das sich einem da bietet. Was nicht heißen soll, dass man nicht einmal zu zehnt oder zwanzig da einrücken und einen Abend lang auf das Ziel kollektives Hausverbot hinarbeiten sollte. Das könnte man schon mal machen.

(Und erst als ich mich frage, wo ich mich eigentlich noch zugehörig fühle und die Antwort ein Sägewerkmitarbeiter an einer Hand abzählen könnte, wird mir etwas mulmig zumute.)

Time Magazine – Person des Jahres: Du

// Dezember 17th, 2006 // No Comments » // Leben, Politail, netznetz

Person of the Year: You
Yes, you. You control the Information Age. Welcome to your world.

The new Web is a very different thing. It’s a tool for bringing together the small contributions of millions of people and making them matter. Silicon Valley consultants call it Web 2.0, as if it were a new version of some old software. But it’s really a revolution.[..]

And we are so ready for it. We’re ready to balance our diet of predigested news with raw feeds from Baghdad and Boston and Beijing. You can learn more about how Americans live just by looking at the backgrounds of YouTube videos—those rumpled bedrooms and toy-strewn basement rec rooms—than you could from 1,000 hours of network television.[..]

We’re looking at an explosion of productivity and innovation, and it’s just getting started, as millions of minds that would otherwise have drowned in obscurity get backhauled into the global intellectual economy.[..]

And for seizing the reins of the global media, for founding and framing the new digital democracy, for working for nothing and beating the pros at their own game, TIME’s Person of the Year for 2006 is you.[..]

This is an opportunity to build a new kind of international understanding, not politician to politician, great man to great man, but citizen to citizen, person to person.[..]

Time Magazine

Fourteen Things That It Took Me Over 50 Years To Learn

// Dezember 17th, 2006 // No Comments » // Leben, netznetz

A person who is nice to you, but rude to the waiter, is not a nice person. (This is very important. Pay attention. It never fails.)

Das habe ich den harten Weg lernen müssen.

 

Fourteen Things That It Took Me Over 50 Years To Learn—by Dave Barry

Krieg und Frieden

// Dezember 17th, 2006 // No Comments » // Bewegte Bilder

Heute abend auf Arte Tolstois “Krieg und Frieden

20.45-0.00Uhr

._.

// Dezember 15th, 2006 // 1 Comment » // Leben

If I never meet you in this life, let me feel the lack.

aus The thin red line (dt. Der schmale Grat)

plugin gone wild

// Dezember 14th, 2006 // No Comments » // In eigener Sache

Da kommt man auf die eigene Seite und denkt, what the fuck??

Ein Plugin von Wordpress hier, das ich schon fast vergessen hatte, hatte ibzehn Beiträge von irgendwoher hier gepostet. Keine Ahnung wie das passieren konnte.

Argh.

Alles gelöscht und Plugin deaktiviert.

Es gibt nichts zu sehen. Bitte gehen Sie weiter.

ausgedeutscht

// Dezember 13th, 2006 // No Comments » // Leben

Hast Du die Nase gestrichen voll von der Bevormundung linker und ausländischer Jugendlicher?

fragt mich die Jugendabteilung der NPD, die “Jungen Nationaldemokraten” (<- kein Link zu deren Seite sondern zu wikipedia, denn “es gilt: Nazis linkt man im Leben, aber nicht im Netz.” wie das Hitlerblog der taz einmal treffend anmerkte), und zeigt damit wieder einmal, dass die Deutschesten der Deutschen der deutschen Sprache nicht mächtig sind.

Ich lache kurz auf. Dann verfrachte ich deren Werbung dorthin, wo sie hingehört: in den Mülleimer.

seasonal

// Dezember 10th, 2006 // 1 Comment » // Leben

hmm, Plätzchen, hmm /Homer

mit Sicherheit

// Dezember 10th, 2006 // 3 Comments » // netznetz

“ich kann keine bilder mehr hochladen bei studivz”. Dude, wie kann man solche Abfragen bei Google eingeben? Google ist kein Orakel, you know?

Da geschieht es dem Suchenden ganz recht, dass er dann bei mir rauskommt. Wenn man mal die Suchergebnisse durchliest, sollte es einem eigentlich auch recht schnell vergehen, da noch Bilder hochladen zu wollen.

Generell, seit meinem Artikel über StudiVZ sind noch weitaus schlimmere Sicherheitslücken aufgetaucht, die immer wieder neue Wege aufzeigen, wie man Profildaten, private Daten oder (private) Bilder ausspähen kann.

Ich weiß von mindestens 2 der hier Mitlesenden, das sie auf StuidVZ aktiv sind, vielleicht sind es noch mehr. Tut Euch selbst einen Gefallen und ladet wenigstens keine Bilder oder Daten hoch, die Ihr nur Freunden zugägnlich machen wollt, das gilt auch für private Nachrichten und co, denn eins ist fakt: StudiVZ ist nicht sicher und wird es wohl auch nicht in nächster Zeit sein. Ebenso sollte man sich genau überlegen was man wo im StudiVZ schreibt, denn diese Seite ist für Personalabteilungen natürlcih der heilige Gral. Und leicht abgrasbar. Besser kann man gar nicht herausfinden, wie der Bewerber so drauf ist.

Also: Alles was mein künftiger Chef nicht sehen soll, papp ich nicht auf Studivz! Und jetzt Alle.

Immer wieder neues Grausiges über StudiVZ gibt es an der Blogbar zu lesen.

 

 

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wie Thomas Bernhard in Österreich

// Dezember 10th, 2006 // 2 Comments » // Leben, netznetz

Wenn man sich hinsetzt und gelangweilt durch dieses Socialnetzwerk surft, kommt man sich schnell sehr einsam vor, so weit weg von dem Ganzen, und es ist nicht diese Einsamkeit die bedauert nicht Teil des Ganzen zu sein, sondern mehr diese Einsamkeit, die auch, unter anderen, Einstein und Bernhard umgab.
So weit weg, so unendlich weit weg.

SMS-Galerie

// Dezember 7th, 2006 // 8 Comments » // Leben

Letzte Woche unter anderem folgende 2 SMS bekommen, die beide auf ihre Art was Faszinierendes hatten:

Meine Beichte: Hab letzte Woche auf dem AtominoKlo das Deichkindposter geklaut! Wär mal was für dein Blog :-)

und

Hab halb zehn das kaminzimmer bestellt.

Großartig!

Pynchon und die Kapitulation

// Dezember 4th, 2006 // No Comments » // Lesen macht sexy

Thomas Pynchon, einer der größten zeitgenössischen Autoren und gleichzeitig der mit abstand rätselhafteste, hat ein neues Buch herausgebracht. Und die Rezensenten kapitulieren gleich reihenweise.
Auf irgendeiner englischsprachigen Seite hab ich gelesen, dass ein Kritiker gleich eine ganze Rezensionsserie schreibt, weil der Roman sonst nicht zu fassen sei. In der SZ (Süddeutsche)* stand letzten Donnerstag im Feuilleton keine Kritik des Buches, sondern ein “Bericht von einer Reise durch Thomas Pynchons neuen Roman ‘Against the day’”. Weil, “Andere Autoren mögen schreibend Länder erschaffen – Thomas Pynchon tut es nicht unter einem Kontinent.”

Deswegen liegt auch “Die Enden der Parabel“, Pynchons Meisterwerk, das ihn (zumindest in der Literaturwelt) weltberühmt machte, noch ungelesen in meinem Regal. Über mehr als die ersten 20 Seiten bin ich nicht hinausgekommen. Mit Pynchon ist es wie mit Dostojewski (oder dem notorischen Gaddis , oder jedem anderen ‘unter tausend Seiten mach ich’s nicht’-Autoren), man hält kein Buch in der Hand, sondern eine gebundene Bibliothek. Keine Lektüre, sondern eine Lebensaufgabe. Man nimmt das Buch kurz in die Hand, schaudert, und stellt es zurück ins Regal während man etwas von Leben, vielleicht später, Zeiteinteilung und derisdochverrückt murmelt.

Vor Jahren habe ich DeLillos Unterwelt gelesen, ein Gesellschaftsroman über das 20. Jahrhundert. Das Buch spannte sich über mehrere Zeitlinien, zwischen denen hin und her gesprungen wurde, von den Fünfziger Jahren bis hin zur (damaligen, endneunziger) Jetztzeit. Ich brauchte ein halbes Jahr für diesen Schmöker. Man verstehe mich nicht falsch, ich hab es genossen. DeLillo ist ein der Meister der Sprache, dessen Prosa sogar in der Übersetzung noch wie federleichte Lyrik, ja fast schon melodiös, durch die Luft gleitet. Sätze, ganze Dialoge und Absätze, in denen man sich verlieren kann. Ich weiß nicht, wie er das macht. Ich wußte nach der Hälfte aber auch nicht mehr, wer die Hälfte der Personen war. Das fiel mir dann und wann immer wieder mal auf. ‘Ah, der homophobe Graffitisprayer aus den Siebzigern, der sich gegen Bezahlung Einen blasen lies, ist der schwule, aidskranke Mechaniker von heute, der den Ghettokids hilft. Das mir das jetzt erst auffällt.’ Ärgerlich.

Auf diese Bücher muss man sich einlassen. Dann muss man dranbleiben. Ich glaube, der Payoff kann hoch sein, aber wenn man nur halbherzig einen Marathon antritt, hat man, wenn man nach 20 Kilometern entnervt aufgibt -oder nach ibzehn Stunden im Ziel ankommt- nur noch das Gefühl, dass das zwar alles ganz toll war, aber irgendwie hätte es großartig sein können, müssen. War es aber nicht. Weil man selbst nicht voll dabei war. Es ist wie einen Film anschauen und sich während der ganzen Zeit zu unterhalten. Wenn der Film etwas wert war und man das fühlt, dann hat man dann danach auch dieses diffuse Gefühl etwas verpasst zu haben. Etwas Wichtiges vielleicht sogar.

Das klingt jetzt mehr nach Arbeit und Buckelei als ich es ausdrücken wollte. Keine Ahnung, wo ich mit diesem Text hinwollte. Letztlich ist es ja vielleicht einfach nur ein ‘Time Issue’, wie der Engländer zu sagen pflegt. Und damit mein ich nicht das Times Magazine.

 

*Erwähnte ich schon, dass ich deren Onlineauftritt hasse?

 

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spamy

// Dezember 4th, 2006 // 2 Comments » // netznetz

spam-emails neuerdings auch mit Betreffzeilen wie ’single during the holidays suck’.

ach nee.