Nach
Euroweb wollte jetzt Transparency International Deutschland (TI-D) herausfinden, was wohl so passiert, wenn man ungerechtfertigterweise einer bloggenden Person den Mund verbieten will.
Was war geschehen? In Kurzform: Eine Bloggerin,
‘Moni’ vom gedankenträger, berichtete im Januar darüber wie ihre Freundin entlassen wurde weil sie bei Neuverhandlungen zu viel Gehalt verlangte. Der Anwalt von TI-D hatte ‘Moni’ nun vergangenes Wochenende angeschrieben und ihr mit Klage gedroht und aufgefordert, den Eintrag zu entfernen. Das Perfide: Die Frist endete am Sonntag, womit es der Bloggerin wahrscheinlich nahezu unmöglich gemacht werden sollte, rechtlichen Beistand zu finden (den Brief findet man noch
hier). ‘Moni’ entfernte am Sonntag den ursprünglichen Eintrag, veröffentlichte aberdie Kommunikation mit dem Anwalt von TI-D,
die Taz spricht ganz richtig von Transparenz -die wenigstens von einer Seite gepflegt wird-. Auch daran störte sich der Anwalt wieder und meinte mit der veröffentlichten mail sein Urheberrecht verletzt zu sehen(!).
Zur Zeit sieht es so aus, als wenn jetzt von Seiten TI-Ds die ganze Sache einfach ausgesessen werden soll. Bloggerin beschuldigt. Hat nix gebracht. Stillschweigen drüber und gut. Soviel zur Transparenz. (Siehe
hierzu die sz. Und Don Alphonsos Aussage,
dass das jetzt ein bisschen wenig sei, der ich mich anschliesse)
Etwas ausführlicher ist das Ganze noch mal bei neun12.de nachzulesen.
Oder in einem Interview mit der Bloggerin in der netzeitung (das Gleiche bei n24.de)
tagesschau.de als verlängerter Arm der TI-D PR-Maschinerie?
Nun hat die Tagesschau ebenfalls einen Artikel über diese Thematik geschrieben:
Die Fakten überprüft oder sich wie professionelle Journalisten mit
Transparency International als Gegenseite in Verbindung gesetzt hatten
die privaten Blogbetreiber dabei meist nicht.
In dem Satz fehlte ursprünglich das ‘meist’ -das wurde nach Hinweisen von Bloggern später eingefügt. Wer die Fakten hier nicht überprüft hatte, waren nämlich die Journalisten von tagesschau.de. Es hatten tatsächlich Einige Kontakt mit TI-D aufgenommen, und einige wenige bekamen sogar eine (nichtssagende Standard-)antwort. Peinlich, wenn man genau den Fehler begeht, den man Anderen vorwirft. Besonders wenn es sich um den Vorwurf selbst handelt. Und warum bleibt dieser Satz, um ein ‘meist’ erweitert, stehen? Sollen etwa alle Blogger mit TI-D Kontakt aufnehmen um ihre Integrität wahren zu können? Und dann warten mit dem Posten bis die Antwort da ist? Das würde wohl Organisationen, wie TI-D in diesem Falle, gefallen. Nein, man kann dem einen oder anderen Blogger vertrauen, wenn sie die erhaltenen (Standard-)antworten posten. Da muss sich nicht jeder erst selbst ransetzen. Und so wie es zur Zeit aussieht, entwickle ich da mehr Vertrauen in einige der Blogger als zu tagesschau.de. So weit ist es schon gekommen. Blogger finden übrigens auch raus, wenn man für die eigene PR-Arbeit unabhängige Medien missbraucht indem man die Netzwerke dahinter ausnutzt. Ist das nicht auch etwas, wogegen TI-D offiziell vorgeht? Ist ja ein bisschen intransparent, das Ganze.
Eieiei.
Gelebte Meinungsfreiheit
Die Internetöffentlichkeit ist längst von den Blogs übernommen wurden, mit Google als Gehilfen, wie man jetzt wieder deutlich sehen kann -man gebe mal “transparency international” bei google ein und beachte den 4. Eintrag. Die gelebte Meinungsfreiheit. Etwas wofür ja auch TI-D steht. Und ausgerechnet daran werden sie sich jetzt die Zähne ausbeißen. Schadenfreude? Nein, eher Frust ob der Erkenntnis wie Mitarbeiter einer vornehmlich für eine gute Sache kämpfenden Nichtregierungsorganisation Bigotterie an den Tag legen, das es eine wahre Pracht ist einfach nur traurig ist (Wie wäre es statt mit Drohungen mit einer klärenden Stellungnahme
gewesen? Kommunikation, Transparenz? oder jetzt wenigstens
Deeskalationsmanagement, eine Entschuldigung bei Moni..). In dem Zusammenhang auch erwähnenswert, dass das whistleblowing, gegen das man hier vorgeht, bei Anderen explizit erwünscht ist! Bei allen, nur nicht bei uns bitte. B-I-G-O-T-T-E-R-I-E.
Hatte ich schon erwähnt, dass der Anwalt auch gleichzeitig der Ethikbeauftragte von TI-D ist?
Man wird das dumpfe Gefühl nicht los, dass diese Handhabe, mit der Anwaltskeule auf rechtlich nicht bewanderte und finanziell unterlegene Bürger einzuprügeln wenn einem etwas nicht passt, längst Gang und Gebe geworden ist. Wenn selbst eine Organisation wie Transparency International so handelt, dann scheint es früher lediglich so gewesen zu sein, dass man einfach von diesen Vorgängen nichts erfahren hat. Die Keule also effizient war. Ohne das rasche Verlinken der Blogs und die damit einhergehende effiziente Verbreitung von solchen brisanten Informationen, wäre auch dieser Fall untergegangen. Ich wette, dass noch vor 3 oder 4 Jahren ‘Moni’ zwar den Anwaltsbrief auf ihre Seite hätte setzen können, es aber kaum jemand zur Kenntnis genommen hätte. Da wäre wesentlich mehr Glück von nöten gewesen, um so eine Öffentlichkeit zu erreichen.
Kann also durchaus sein, dass TI-D mit diesem Pr-Gau eine Art Präzedenzfall liefert, der später mal in jedem deutschen PR-Lehrbuch stehen wird. Unter der Rubrik: “So nicht mehr. Die Zeit ist vorbei.”
Die Macht der Blogger
Wer nun meint, die (deutschen) Blogger springen schnell auf jeden Zug auf, der sich ihnen bietet und das nächste Mal könne es eben auch den Falschen treffen, dem mag ich nur erwidern, dass die Selbstkontrolle der ‘Blogosphäre’ (dusseliges Wort) stark genug sein wird eine Welle gegen den Falschen zu ersticken bevor sie groß wird (Selbst jetzt gibt es kritische Stimmen, die mMn aber in diesem Fall unbegründet sind). Sollte es wirklich mal zu so einem Fehlschuß kommen, wird sich schnell die Spreu vom Weizen trennen. Eine sehr dynamische Meinungsbildung zeichnet Blogs ja gerade den alten Medien gegenüber aus. Wie man eben auch jetzt wieder sehen konnte. Man sollte nämlich bedenken, dass die meisten Kritiker von TI-D eigentlich auf der Seite dieser Organisation stehen. Das sind hier keine gegenüberliegenden politischen Lager, die aufeinander losgegangen sind. Zumindest was die Aussendarstellung von TI-D angeht. Denn anscheinend gehen die Vorstellungen, was das Eine oder Andere betrifft, doch mehr auseinander, als man vor einer Woche noch geglaubt hätte..
Don Alphonso, Blogger und Journalist, wird diesen Freitag im Rahmen der Chemnitzer Medientage an einer Podiumsdiskussion im TaC (dem Studentenclub in der Chemnitzer Mensa) teilnehmen und kündigte bereits an, auch dieses Thema ansprechen zu wollen. Das wird interessant. Ich werde hingehen und würde mich freuen, wenn ich Einige von Euch dort auch antreffen würde.
Und in Zukunft mag ich nicht mehr ständig über so unerfreuliche Dinge schreiben. Das wird langsam nervig. Hoffentlich setzen bald die Lernprozesse bei den Abmahnwütigen ein. Denn viel lieber würde ich mich hier guter Musik, guten Büchern und guten Filmen widmen. Noch jemand außer mir Malicks ‘The new world’ gesehen? Hach, war der schön..